Haftbefehl - Die Schwarzweisse Tour 2022

Haftbefehl - Die Schwarzweisse Tour 2022
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  • Freitag, 11. März 2022
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"Haftbefehl - Die Schwarzweisse Tour 2022"

Plötzlich geht es schnell: Nur ein halbes Jahr nach seinem spektakulären Comeback liefert Haftbefehl wieder frische Ware. “Das schwarze Album” ist gleichzeitig Fortsetzung und Spiegel des letztjährigen weißen, Yin und Yang in Offenbach am Main. Während DWA eine neue Welt aufmachte, zoomt DSA rein in deren düsterste Ecken: die kaputten Aufzüge, die Crackküchen, die finsteren Gedanken im Kopf. Baba Haft ist zurück am Block – und zeigt, warum er auch 2021 der beste Rapper in diesem Land ist.

Es gibt diese Szene gleich zu Beginn des schwarzen Albums. Es ist eine Szene aus Haftbefehls Jugend, als er noch Aykut war und eine Karriere als Rapper höchstens ein alberner Tagtraum. Der Junge in dieser Szene ist nicht Aykut, aber: Er könnte es sein. Er liegt noch im Bett, den Kopf schwer von Gedanken und von der letzten Nacht. Seine Schwester platzt ins Zimmer, also steht er auf, um rauszugehen. Er schließt die Wohnungstür hinter sich und geht durchs Treppenhaus nach unten. Seine Mutter kommt ihm entgegen, mit den Einkaufstüten aus dem Supermarkt und dem Sechserpack Metzeral-Wasser unterm Arm fühlt sich der dritte Stock gleichsam unerreichbar an, fast wie dieser andere Teil der Stadt, der mit den Orchideen, in dem der Junge und seine Schwester und seine Mutter nie leben werden. Es stinkt nach Rauch und Blech und diesem schleichenden Gefühl, von der Welt vergessen worden zu sein. “Kennst du das, kaputte Aufzüge?”

Nein, die meisten kennen das nicht. Es gehört zur Realität in Almanya, dass die Aufzüge traditionell funktionieren – zumindest für die, die es sich leisten können. Das Bild aber ist sofort da, jedes Detail, egal ob man schon mal Crack gerochen hat oder nicht. Haftbefehl hat diese Gabe: Er braucht nicht mehr als ein paar Worte, um alles auszudrücken, was es auszudrücken gibt. Jede Facette von Leben, Life, Hayat. Vielleicht haben deswegen alle etwas zu ihm zu sagen, ob in den Kulturredaktionen oder in den Hinterhöfen. Andere Artists mögen noch mehr Schlagzeilen, noch mehr Streams gesammelt haben. Haftbefehl aber hat Deutschrap aus seinem Innersten heraus geprägt.

Haftbefehl selbst äußert sich beinahe nie zu seiner Kunst. Er lässt die Musik für sich sprechen, und manchmal nicht mal das: Zwischen seinem Opus Magnum “Russisch Roulette” und seinem letztjährigen Comeback vergingen sechs Jahre. Dazwischen lieferte er lediglich ein Mixtape (“Unzensiert”), ein Kollaboprojekt mit Kollege Xatar und ein paar Gastauftritte: oft fragmentarisch, fast immer überragend. So wuchs sein angekündigtes “weißes Album” zu einem Mythos an, für den selbst die Beatles-Referenz nicht mehr zu groß schien. All Eyez On Azzlackz. Frankfurter Democracy. Deutsche Detox. Als die Platte 2020 endlich erschien, mitten in einem Sommer voller Unsicherheit und nicht enden wollender Stille, kam das einer kollektiven Erlösung gleich. Für die Fans, die endlich was zu feiern hatten. Für die Feuilletonist:innen, die sich umgehend in die Exegese stürzten. Für die migrantische Community in Deutschland, für die Hafti Abi stets mehr war als nur ein unterhaltsamer Character mit interessanter Wortwahl, eher eine Stimme für ihren Stolz und ihren Schmerz, die plötzlich sogar gehört wurde. Das Video zum Song “RADW” begann mit einer Erinnerung an die Terroropfer von Hanau: eine kleine Geste mit großer Bedeutung.

Generell war das Album mit “groß” trefflich beschrieben, kommerziell wie künstlerisch. Haft lieferte Lines – und sein Produzent Bazzazian baute daraus außergewöhnliche Songs mit barbarischen Beats, ausufernden Arrangements und Bezügen von Prog Rock bis Prodigy. Nicht alle dieser Song erschlossen sich sofort. Aber sie blieben. Auch auf Haftbefehl selbst hatte die Arbeit an “Das weisse Album” nachhaltige Wirkung. Er bekam wieder Bock, auf Beats und rappen und machen. Er verschanzte sich nächtelang im Studio, wie man es als Familienvater, Firmeneigner und überirdischer Rapper mit dennoch irdischen Alltagsproblemen nicht mehr zwangsläufig tut. Wenn er wieder rauskam, dann mit Material, das im besten Sinne daran erinnerte, was den Hünen aus Offenbach vor einem Jahrzehnt zur Offenbarung machte: Silben wie Sprengsätze, Zeilen wie Filme, klare Ansagen mit komplett unklaren Flows. Das Ergebnis dieser Phase ist “Das schwarze Album”.

Die 13 Songs schicken Haft in eine eigentlich unmögliche Zeitschleife. Auf “DSA” trifft die Energie seiner legendären “Halt die Fresse”-Videos von 2009 auf den Sound von 2021. Ob er den Verkaufswert einer Lieferung auf 300 Mille streckt (“Crackküche”) oder mit den Jungs im Benz und dabei Scheine rollt (“4 Kanaken”); ob er die Kalash auf der Kolbstraße ausführt (“Kokaretten”) oder Konkurrenten zu Köfte verarbeitet (immer) – Haftbefehl geht da hin, wo es auf ewig weh tun wird, wenn man diesen Scheiß einmal gesehen hat. Oder wie er selbst es ausdrückt, auf einem der stärksten Songs des Albums: Er ist zurück am Block.

Damit ist “Das schwarze Album” gleichzeitig Fortsetzung und komplementäres Gegenstück zu “Das weisse Album”. Yin und Yang, 069-Style. Während DWA eine neue Welt aufmachte, zoomt DSA rein in die düstersten Ecken dieser Welt. Wo DWA den süßen Geruch des Sieges verströmte, erinnert DSA auf schmerzliche Weise an das Gefühl, wenn alles wieder von vorne beginnt. War DWA ein gleißender Fiebertraum auf Flex, so ist DSA der Morgen danach – nur dass die Sonne natürlich schon längst wieder untergegangen ist.

Das klingt mal nach New Yorker Schule auf Steroiden, mal als läge Memphis im Herzen Hessens; mal nach verzerrtem Albtraumpop auf Autotune, mal als hätten sich Slayer und Gil-Scott Heron Gedanken über die Essenz von Trap gemacht. Immer klingt es nach Bazzazian, der auch dieses Album produziert und geprägt hat. Vor allem aber ist da diese Stimme. Eine Stimme, die über die Jahre nur mehr Tiefe, mehr Narben, aber auch mehr Kraft bekommen hat. Eine Stimme, die einen glauben lässt, dass man es hier nicht mit dem besten, sondern eher mit dem einzigen Rapper Deutschlands zu tun hat. Chabos wissen, wer Babo ist. Vor allem aber fühlt man es.

Der Spiegel schrieb einst: Haftbefehls Musik erinnere an das erste Essen bei Mama nach vielen Wochen weg von zuhause: auf wohlig gewohnte Weise lecker, aber diesmal noch besser gewürzt. Es ist, als hätten sie “Das schwarze Album” vorausgeahnt. Mehr zuhause war Haftbefehl nie. Mehr zuhause war Rap nie. Baba back.

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